Liudger (Ludger) von Münster

Namenstage: Ludger

Funktion: Glaubensbote bei den Friesen und Sachsen, Bischof von Münster

Gedenktag: 26. März

Patronat: Diözesen Münster und Essen; Helmstedt besonders verehrt in Münster Liudger war Spross einer friesischen Adelsfamilie; sein Geburtsjahr ist 740 oder 742.

752 lernte er den Heiligen Bonifatius (den die Friesen 754 auf seiner letzten Missionsreise in Dokkum erschlugen) kennen, als dieser seine christlichen Eltern besuchte. Er wurde Schüler Gregors von Utrecht (Heiliger) und 767 Alkuins von York (Heiliger). Danach lehrte er im niederländischen Deventer und empfing 777 in Köln die Priesterweihe. Im selben Jahr begann er seine Missionstätigkeit bei den Friesen: Sieben Jahre lang bereiste er die friesischen Gebiete, erbaute Kirchen und gründete Pfarreien. Nur im Winter zog er sich nach Utrecht zurück. 784 erhoben sich die Sachsen. Liudger brach seine Mission ab und reiste mit seinem jüngeren Bruder Hildegrim (Heiliger) und seinem Neffen Gerfrid nach Rom und in das von Benedikt von Nursia (Heiliger) gegründete Kloster Monte Cassino, wo er drei Jahre lang blieb.
Aus Italien zurückgekehrt, konnte er wieder zur Mission nach Friesland gehen, denn der sächsische Aufständische Widukind hatte sich Weihnachten 785 taufen lassen. Er besuchte Helgoland (das seitdem »Hêleglend/Heilig Land/Helgoland« heißt), und zog bis 792 durch die Gebiete der heutigen Provinz Groningen und das heutige Ostfriesland. Als sich die Friesen aufs Neue erhoben, begann er auf Weisung Kaiser Karls des Großen mit der Missionierung der Sachsen auf dem heutigen Gebiet des Bistums Münster. Hier war ihm offenbar mehr Erfolg beschieden: 793 gründete er in Mimigardevord das Chorherrenkloster Monasterium (dem die Stadt Münster ihren Namen verdankt) und baute in den fünf Gauen, die ihm Karl zur Christianisierung übertragen hatte, eine erste kirchliche Infrastruktur aus Pfarrkirchen und Klöstern auf, dazu gehörten das Frauenkloster Nottuln und die Abtei Werden an der Ruhr.
Als Karl der Große einen Feldzug gegen die östlichen Sachsen führte, begleitete ihn Liudger und begründete an einer Quelle, an der er viele Menschen taufte, das spätere Kloster Helmstedt (bei Braunschweig). 804 erhielt er die Bischofsweihe. Weitere Missionsreisen jenseits der Reichsgrenzen fanden nicht mehr die Billigung des Kaisers. Zudem ließ Liudgers Gesundheit nach. So verbrachte er seine letzten Jahre mit der Organisation und Verwaltung seiner neuen Diözese im späteren Münster.
Am 26. März 809 starb Liudger in Billerbeck während einer Predigt und wurde in Werden (heute ein Ortsteil von Essen) begraben.
1984 wurde sein Schrein von Werden nach Münster überführt. Zum 1.250. Geburtstag des Heiligen gab die Deutsche Bundespost 1992 eine Briefmarke heraus.
Wie bei Martin von Tours und Achahildis von Wendelstein ist die Gans (bzw. mehrere Gänse) das Attribut des Heiligen. Die damit verbundene Legende liegt in mehreren Versionen vor. Die bekannteste besagt, dass Liudger durch Friesland wanderte, um seine Landsleute zu bekehren und Kirchen zu bauen. Er kam in eine Gegend, in der die Bauern sehr unter Scharen von Wildgänsen zu leiden hatten, die auf den Feldern die junge Saat verzehrten, so dass man eine baldige Hungersnot befürchtete. Zudem schnatterten sie jede Nacht so laut, dass kein Mensch mehr schlafen konnte. Liudger ging hinaus und betete laut über den Wildgänsen, während er das Kreuz in der Hand hielt. Diese flogen unter lautem Schreien auf und verschwanden aus der Gegend, um niemals wiederzukehren.

Darstellung: als Bischof im Ornat

Attribute: Mitra, Stab, Buch; Kirchenmodell; zwei Wildgänse (weil er der Legende nach seine Missionsgebiete Friesland und Sachsen durch sein Gebet von einer Wildgansplage befreite)

 

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010