orthodoxe Ostkirchen 15. Juni
Patronat: Dalmatien, Lyon; der Theologen, Gelehrten, Schüler, Studenten, Lehrer, Übersetzer, Korrektoren, Universitäten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften und Asketen; gegen Augenleiden
Hieronymus, um 342 in Stridon (heute Sdrin in Kroatien) als Sohn vermögender christlicher Eltern geboren, wurde 354 zum Studium nach Rom geschickt. Zunächst hatten es ihm die klassischen Autoren wie Platon, Cicero und Plautus angetan. Zur Vertiefung seiner Kenntnisse reiste er mit seinem Freund Bonosus nach Gallien, wo ein Aufenthalt in Trier bezeugt ist. Hier erst begann er religiöse Autoren zu lesen, und hier muss auch ein Sinneswandel stattgefunden haben, denn nach seiner Rückkehr nach Italien ließ er sich taufen und gründete mit mehreren Freunden 373 in Aquileia eine Ordensgemeinschaft, die er allerdings bald wieder verließ. Die Gründe sind nicht ganz klar, es wird von Streit mit den Brüdern, familiären Problemen und Verwicklungen in die lokale Politik berichtet.
Mit dem Schiff aus Italien aufgebrochen, reiste er über Thrakien, den Pontus (am Schwarzen Meer), Bithynien, Galatien, Kappadokien und Kilikien (alle in Kleinasien, heute Türkei) bis nach Antiochia (heute Antakya, Südosttürkei), wo er längere Zeit blieb und die Predigten des berühmten Exegeten Apollinaris von Laodicea hörte. Er lernte Griechisch und Hebräisch, begann sich für das Einsiedlerleben zu interessieren und verbrachte schließlich mehrere Jahre mit theologischen Studien in der Wüste.
Hier soll sich auch die bekannte Löwenlegende zugetragen haben: Ein hinkender Löwe hatte alle Eremiten der kleinen Gemeinschaft verjagt, nur Hieronymus näherte sich furchtlos dem Tier und beseitigte die Ursache seines Schmerzes, einen Dorn in der Pfote. Das dankbare Tier blieb und bewachte den Esel, der das Brennholz für die Gemeinde herbeitrug. Als der Löwe einmal eingeschlafen war, stahl eine vorbeikommende Karawane den Esel, und das Raubtier musste nun, da die Einsiedler dachten, er hätte den Esel verspeist, als Schuldiger selbst das Holz tragen. Einige Zeit später kam die Karawane wieder vorbei, und der Löwe erkannte das Leittier – das gestohlene Langohr. Mit Gebrüll vertrieb er die Diebe und brachte den Entführten zurück. Hieronymus aber beruhigte die Menschen und beherbergte sie in der kleinen Gemeinschaft.
Hieronymus wurde 379 zum Priester geweiht und verbrachte mehrere Jahre in Konstantinopel (ab 1453 Istanbul), wo er als Schüler des Gregor von Nazianz (Heiliger) studierte und die Schriften des Origenes kennen lernte. Nach seiner Rückkehr nach Rom nahm er 382 an einer Synode teil, die sich mit mehreren Häresien beschäftigte und diese verdammte. Papst Damasus I. (Heiliger) war beeindruckt von seinem Fachwissen und seinen umfangreichen Sprachkenntnissen, beauftragte ihn mit der Neuübersetzung der Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen, die als »Vulgata« jahrhundertelang Bestand haben sollte, und stellte ihn als Sekretär an. In dieser Position scheint der weltgewandte Hieronymus, der ja erst relativ spät zu einem asketischen Leben gefunden hatte, einen großen Einfluss auf den frommen Teil der römischen Frauenwelt ausgeübt zu haben. Man schlug ihn zum Nachfolger des 384 gestorbenen Damasus vor, doch es setzte sich diejenige Fraktion des römischen Klerus durch, der Hieronymus in seiner Askese, Strenge und im Kampf gegen die Verweltlichung des geistlichen Standes entschieden zu weit ging.
Enttäuscht und müde der ständigen Anfeindungen wegen unziemlicher Verbindungen mit frommen Römerinnen reiste Hieronymus mit mehreren der Damen 385 über Zypern, Antiochia und Alexandria nach Palästina. Er gründete ein Männer- und drei Frauenkloster in Bethlehem, zog sich aber mehr und mehr zurück und widmete sich theologischen und sprachlichen Studien. Dennoch nahm er weiterhin an den Auseinandersetzungen mit häretischen Gelehrten teil und korrespondierte u. a. mit Tyrannius Rufinus, Jovinian, Vigilantius und Augustinus, mit dem man ihn in seiner Bedeutung gern vergleicht. Er starb am 30. September 419 oder 420. Seine Gebeine überführte man im 13. Jahrhundert nach Rom, wo sie in der Kirche Santa Maria Maggiore ruhen.
Neben seiner Bibelübersetzung sind von Hieronymus mehrere Kommentare, Streitschriften und die erste christliche Literaturgeschichte (»De viris illustribus «/»Berühmte Männer«) überliefert. Angeblich sieben Sprachen beherrschend, übersetzte er z.B. Werke des Origenes. Ein Kupferstich Albrecht Dürers zeigt den Heiligen etwa mit dem Löwen, dahinter kann man aber gut drei aufgeschlagene Bücher erkennen, die in Latein, Griechisch und Hebräisch verfasst sind.
Seit 1343 gilt Hieronymus als Kirchenvater, neben Ambrosius (Bischof von Mailand; 340–97; Heiliger), Augustinus Bischof von Hippo; 354–430; Heiliger) und Gregor I. dem Großen (Papst; 540–604; Heiliger).
Darstellung: als Kardinal (obwohl er keiner war), greiser Gelehrter oder fast nackter Eremit; oft zusammen mit den anderen drei Kirchenvätern Ambrosius, Augustinus und Gregor I.
Attribute: Kardinalshut (wegen seiner Sekretärsstellung bei Papst Damasus I.); Kruzifix; Schreibpult und -feder, Bücher (Gelehrsamkeit); Totenkopf (Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens); Geißel; Löwe, dem er einen Dorn aus der Pranke zieht (Anspielung auf sein Einsiedlerleben in der Wüste; auch symbolisch: dem Irrtum den Stachel nehmend)
orthodoxe Ostkirchen 8. November
Patronat: des Fernmeldewesens und Nachrichtendienstes (seit 1951); der Boten, Postangestellten und -beamten, Briefmarkensammler; gegen eheliche Unfruchtbarkeit
Gabriels Aufgabe ist die Erklärung der Ratschlüsse Gottes für die Menschen. So deutet er nach der Bibel dem Propheten Daniel das Gesicht vom Widder und dem Ziegenbock (Daniel 8, 16–26), der sieben Jahreswochen (Daniel 9,21–27), verkündet Zacharias die Geburt des Johannes (Lukasevangelium 1, 11–20), verheißt Maria die Geburt des Messias (Lukasevangelium 1, 26–38), überbringt die Engelsbotschaft an Joseph im Traum (Matthäusevangelium 1, 20) und den Hirten in Bethlehem die Frohe Botschaft (Lukasevangelium 2, 9).
Auch im Islam hat Gabriel die Rolle des höchsten Engels, der Mohammed die Offenbarung überbringt. Im Judentum ist Gabriel der Todesengel, aber auch der Hüter des Paradieses.
Als Bote Gottes ist er seit 1951 Patron des Fernmeldewesens und des Nachrichtendienstes.
Darstellung: als Verkündigungsengel oder Wächter (an Kirchenportalen)
Attribute: Lilie, Schriftband, Stab; Weltkugel, Zepter (Ostkirche)

Quelle: Herder-Verlag
